PanzerguideKapitel
Digitales Panzerhandbuch

Kampf in der Defensive

Der Kampf in der Defensive


Bei einer Verteidigung gelten etwas andere Spielregeln als bei einem Angriff, was leicht nachzuvollziehen ist. Das wichtigste sind die kürzeren Strecken vom Spawnpunkt zum Einsatzgebiet. Manchmal ist der Spawnpunkt schon das Einsatzgebiet und du wirst, kaum das Licht der Welt erblickt, schon wieder in die ewigen Jagdgründe geschickt. Sollte dir ähnliches widerfahren, lass das Spawnen an dieser Stelle am besten sein - das verheizt nur wertvolles Material und es ist besser entweder selbst ein Satchel oder ähnliches in die Hand zu nehmen oder nach einem alternativen Spawnpunkt zu suchen. Durch die kürzere Entfernung zu den eigenen Armybases, Depots oder Forward Bases ist man meinst auch von zahlreichen eigenen Truppen umgeben. Wenn man sich mit seinem Panzer nicht allzu weit von der eigenen Stadt oder FB entfernt (wenn möglich sollte man innerhalb der RTB-Reichweite bleiben, um die Chance zu haben ein beschädigtes Fahrzeug respawnen zu können) muss man sich meistens um versteckte Sapper keine Sorgen machen. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Position mit Motor und Kanone preisgeben sollte zumal ein laufender Motor den eigenen Truppen die Aufklärung anrückender Fahrzeuge erschwert oder unmöglich macht, was meist sofort per Chat mit der schriftlichen Variante des Autofahrergrußes quittiert wird (bei einigen weinerlichen Spielern gilt selbst ein mausetoter Fahrer nicht als Entschuldigung für einen laufenden Motor).
Ein oft beobachtetes Merkmal bei der Schlacht um eine Stadt sind Angriffe aus wechselnden Richtungen. Einen Panzer kann man in der Defensive als Bunker oder bessere Panzerabwehrkanone einsetzen oder man kann auch hier den Vorteil der Motorisierung nutzen und regelmäßig in einer Stadt patrouillieren. Auch hier gilt wie beim Angriff der Grundsatz, dass ausgetretene Pfade nicht immer die besten sind.

Genauer betrachtet bedingen diese Regeln beim Angriff und in der Verteidigung einander, denn einer der Gegner kommt bestimmt auf die Idee sich über einen noch nicht benutzten Pfad an deine Stadt heranzuschleichen - das ist dann der Platz, an dem du auf ihn warten solltest. Meistens handelt es sich aber nicht um einzelne Panzer, die über die Hintertür bis in eine feindliche Stadt hineinfahren (wenn, dann nur zum Sterben), sondern es handelt sich in der Regel um Infanterie, die es auf die Flaggen der Stadt abgesehen hat.

Um diese Flaggen dreht sich letztlich das ganze Spiel. Im Grunde verteidigst du keine Stadt, sondern ein paar Flaggen. Nicht Kills, nicht das Zusammenrotten mit anderen, um die Lemminge des Feindes in möglichst großer Zahl abknallen zu können, sind das Ziel, sondern das Beschützen der Flaggen hat oberste Priorität. Die Infanterie, die aus allen Richtungen in die Stadt einzusickern versucht, spawnt meistens ganz in der Nähe von einem MSP aus. Diese Trucks müssen vom Gegner in der Nähe der Stadt in Stellung gebracht werden und ihr Motorengeräusch ist ziemlich charakteristisch (ein Grund mehr den eigenen Motor abzuschalten, damit man sie hören kann).
Als cleverer Verteidiger hast du dich also nach dem spawnen auf der Karte von der Lage der zu verteidigenden Flaggen und der Richtung der feindlichen FBs informiert und in Erfahrung gebracht, aus welcher Richtung der Hauptschlag geführt wird.
Du musst jetzt entscheiden, ob die Lage an der Hauptfront im Griff ist, oder deine Feuerkraft benötigt wird. Gehen wir davon aus, dass die Kameraden die Sache unter Kontrolle haben und deine Anwesenheit unnötig wäre. Am besten suchst du dir nun eine Stelle, an der sich keine eigenen Verteidiger befinden (zum Beispiel die dem Angriff abgewandte Seite der Stadt) und wartest gut gedeckt und mit abgeschaltetem Motor auf eine Häufung von Infanteriemeldungen im Gelände irgendwo hinter der Stadt oder darauf, dass dir selbst einer von denen vor die Flinte läuft. Wenn es sich nicht nur um eine EI handelt, sondern diese urplötzlich in Rudeln aufzutreten scheinen, hast du ermutlich deinen Panzer in die Nähe eines feindlichen Mobile Spawns gestellt. Gesellen sich keine Panzer oder Panzerabwehrkanonen zu der EI, ist das der Augenblick den Bullen bei den Hörnern zu packen, den Mobile Spawn zu suchen, zu erledigen und nebenbei so viele EI zu durchsieben, wie du kannst. Fällt dir der gegnerische MSP zum Opfer, hat sich der Angriff von dieser Seite für eine gewisse Zeit erledigt. Herzlichen Glückwunsch!
Die unterschiedlichen dir zur Verfügung stehenden Panzer eignen sich allerdings nicht alle für diese Aufgabe. Beim Suchen und Zerstören von MSPs kommt es auf Geschwindigkeit, Manövrierbarkeit und vor allem einen schnell drehenden Turm an - schließlich bist du dabei dich mit einer Horde EI anzulegen, von denen sicherlich einige auf den Namen Sapper oder vielleicht auch britischer Grenadier hören. Ein StuG oder ein Tiger sind keine gute Wahl, weil ersterer weder Turm noch MG besitzt und weil letzterer viel zu wertvoll dafür ist, wenn man nicht genau weiß, wie man mit ihm umzugehen hat.
Damit legt man besser entweder Hinterhalte für Hartziele (ein StuG ist schließlich nichts weiter, als eine fahrende Pak) oder bekämpft diese auf große Entfernungen vom Stadtrand aus.

 
Ideal sind dagegen das SdKfz 232, seiner unschlagbaren Geschwindigkeit wegen, der PzKfw IIc, weil man ihn in höheren Tiers sowieso kaum zu etwas anderem gebrauchen kann, oder der PzKfw III F, weil er gleich zwei Koaxial-Maschinengewehre besitzt, die mit nur wenig Mühe ganze Buschreihen entvölkern können. Feindliche MSPs sind meist so geparkt, dass man sie von der Stadt aus nicht sehen kann - wohl aber aus der anderen Richtung. Es passiert also recht häufig, dass man mit seinem schnellen, kleinen Panzer am MSP vorbei rauscht, weil er hinter einem großen Busch oder ähnlichem steht. Wenn man seinen Irrtum noch bemerkt, dauert es zu lange den Turm erst um 180° nach hinten zu drehen. Das kann man wie in jeder guten Kochsendung schon einmal vorbereiten.
Fährt man relativ langsam durch die Büsche, um mehr Zeit zum Absuchen der Gegend zu haben, laufen einem gern auch einmal Sapper hinterher, als wären sie kleine Kinder und du der Eismann. Dem vorsorglich nach hinten geschwenkten Turm sei Dank gibt es dann statt leckerem Speiseeis aber nur ein blutiges Steak.